Ich mag das Wort Scheitern eigentlich nicht.
Es klingt so endgültig.
Als wäre etwas falsch gelaufen.
Als hätte ich etwas nicht geschafft.
Als hätte ich versagt.
Vielleicht fühlt sich ein Teil von mir deshalb manchmal so an, als wäre etwas gescheitert.
Und gleichzeitig spüre ich immer mehr:
Vielleicht ist es gar kein Scheitern.
Vielleicht ist es ein inneres Wachstum.
Vielleicht ist es der Moment, in dem ich stehen bleibe und ehrlich hinschaue.
Auf das, was nicht mehr passt.
Auf das, was sich nicht mehr gut anfühlt.
Auf das, was ich vielleicht schon lange spüre, aber immer wieder zur Seite geschoben habe.
Ich habe lange geglaubt
Ich bin stark.
Ich komme schon zurecht.
Und ja.
Ich habe viel geschafft.
Ich habe viel ausgehalten.
Ich war stark.
Aber irgendwann habe ich gemerkt, dass ich dabei über meine eigenen Grenzen gegangen bin.
Immer wieder.
Ich habe funktioniert.
Ich habe mich angepasst.
Ich habe geschaut, dass es den anderen gut geht.
Und irgendwo dazwischen habe ich manchmal vergessen zu fragen:
Wie geht es eigentlich mir damit?
Was brauche ich?
Was tut mir gut?
Was möchte ich eigentlich?
Und wann ist eine Grenze erreicht?
Es muss niemand schuld sein
Vielleicht ist das eine der schwierigsten Dinge:
Zu erkennen, dass etwas nicht mehr passt, obwohl es nicht unbedingt schlecht ist.
Es muss niemand schuld sein.
Ich muss niemanden schlecht machen.
Ich muss den anderen nicht bewerten, um zu sagen:
Das ist für mich nicht mehr stimmig.
Beides darf da sein.
Etwas kann schön gewesen sein.
Wichtig gewesen sein.
Mich begleitet und geprägt haben.
Und trotzdem darf ich irgendwann merken:
Ich möchte so nicht mehr weiter.
Das fühlt sich manchmal wie Scheitern an.
Weil wir gelernt haben, dass man durchhalten soll.
Dass man nicht aufgibt.
Dass man stark ist.
Dass man es irgendwie schaffen muss.
Aber vielleicht bedeutet Stärke manchmal genau das Gegenteil.
Nicht noch mehr auszuhalten.
Hier gehe ich über mich.
Und dann stehen zu bleiben.
Hin zu schauen.
Und eine Entscheidung zu treffen.
Nicht gegen jemanden.
Nicht aus Wut.
Nicht weil alles schlecht war.
Sondern weil ich mich selbst wieder ernst nehme.
Vielleicht beginnt Veränderung viel früher
Ich glaube, das ist etwas, das ich erst lernen musste.
Mich selbst nicht erst dann wichtig zu nehmen, wenn gar nichts mehr geht.
Meine Bedürfnisse nicht erst dann wahrzunehmen, wenn mein Körper laut wird.
Nicht erst dann eine Grenze zu setzen, wenn ich schon darüber gegangen bin.
Vielleicht beginnt Veränderung viel früher.
Bei einem kleinen inneren:
Oder: Das tut mir nicht gut.
Oder: So kann ich nicht mehr.
Und vielleicht braucht es Mut, diesen kleinen Sätzen zu glauben.
Auch wenn noch nicht klar ist, was danach kommt.
Ich weiß nicht, ob ich heute weniger Angst vor dem Scheitern habe.
Aber ich glaube, ich sehe es anders.
Vielleicht ist Scheitern manchmal nur der Name,
den wir einer Veränderung geben, die wir noch nicht verstehen.
Vielleicht ist es manchmal ein Ende.
Vielleicht ein Umweg.
Vielleicht ein Loslassen.
Und vielleicht manchmal einfach der Moment, in dem wir aufhören, uns selbst zu übergehen.
nicht mehr wie Scheitern an.
Eher wie:
Ich komme wieder ein Stück mehr zu mir.
Wenn Muster sich wiederholen, liegt die Wurzel
oft tiefer als gedacht — manchmal in der Ahnenlinie.
